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Prostatakrebs: Pro und contra PSA-Test

Der PSA-Wert soll dabei helfen, Prostatakrebs aufzudecken. Denn ein deutlicher Anstieg kann von einem Tumor verursacht sein. Doch ist ein Test für jeden Mann sinnvoll?
von Sonja Gibis, 06.06.2017

Laboruntersuchung: Der PSA-Wert wird durch eine Blutprobe ermittelt

Fotolia/jarun011

Die einen preisen ihn als potenziell lebensrettend. Andere sind überzeugt, dass er mehr schadet als nützt. Seit es ihn gibt, wird über Sinn und Unsinn des PSA-Tests gestritten. Dieser misst das prostataspezifische Antigen, ein Eiweiß im Blut, das auf Prostatakrebs hinweisen kann. Und irgendwann steht jeder Mann vor der Frage: Soll ich diesen Test machen?

Das Expertengremium, welches in den USA die öffentliche Gesundheitsvorsorge regelt, gab vor einigen Jahren die Empfehlung: besser nicht. Grund­lage war vor allem eine US-Studie mit mehr als 75 000 Teilnehmern. Egal, ob ein Mann seinen PSA-Wert testen lässt oder nicht – auf sein Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, hat das keinen Einfluss, so das ernüchternde Ergebnis.

Wertlose Studienergebnisse

Auch über Deutschland schwappte danach eine Welle negativer Berichte – obwohl eine europäische Studie einen klaren Überlebensvorteil der getesteten Männer zeigte. Dennoch sank Experten zufolge die Bereitschaft der Männer, die Früherkennung in Anspruch zu nehmen – zumal die PSA-Messung hier nie eine Kassenleistung war und den Patienten etwa 20 bis 40 Euro kostet.

Doch jetzt dreht sich das Rad erneut. Denn wie sich vor einigen Monaten herausstellte, sind die Ergebnisse der amerikanischen Studie wertlos. Um herauszufinden, wie sich der Test auf die Männergesundheit auswirkt, hatte man die Teilnehmer mit anderen verglichen, denen man die Messung nicht empfahl. Dumm nur: Etwa 90 Prozent aus der Vergleichsgruppe ließen ihren Wert trotzdem bestimmen. Verglichen wurden also getestete Männer mit getesteten.

Ohne PSA-Test mehr Männer mit Metastasen

Einige Urologen sprechen von einem "Skandal", besonders weil die Folgen in den USA wohl bereits sichtbar sind. Die Zahl der Fälle von Prostatakrebs, der bei der Diagnose schon Metastasen gebildet hat, ist gestiegen. Ähnliche Ergebnisse gibt es auch aus Deutschland.

Eine Untersuchung von mehr als 5000 Patienten, die in den vergangenen Jahren an der Urologischen Klinik der Universität München operiert wurden, zeigte, dass der Anteil der fortgeschrittenen Erkrankungen deutlich zugenommen hat, ebenso die Aggressivität der Prostatatumore. Der Hauptgrund, davon ist Klinikdirektor Professor Christian Stief überzeugt: die gesunkene Zahl an PSA-Tests.

Uneindeutige Früherkennung

Doch was heißt das jetzt für die Männer? Einen pauschalen Ratschlag wollen selbst die meisten Urologen nicht geben. Denn der Test bleibt eine Früh­­erkennungsuntersuchung mit Vor- und Nachteilen. "Pflicht des Arztes muss es sein, darüber ausführlich aufzuklären", sagt Professor Christian Wülfing, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Eine Tatsache scheint dabei zunächst klar für den PSA-Test zu sprechen: Er ist bislang der beste Weg, um Prostatakrebs möglichst früh zu diagnostizieren. Denn über das Abtasten durch den Enddarm lassen sich nur günstig gelegene Tumore finden. "Mithilfe des PSA-Werts kann ein großer Teil der Erkrankungen weitaus früher erkannt werden", bestätigt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Mehrere Ursachen können zu einem PSA-Anstieg führen

Dr. Susanne Weg-Remers leitet den Krebsinformationsdienst

W&B/Michael Hudler

Doch der Test hat Schwächen. So lässt ein hoher Wert keine sichere Aussage darüber zu, ob der Patient wirklich Krebs hat. "In vielen Fällen steckt kein Tumor dahinter", erklärt Weg-Remers. Denn das prostataspezifische Antigen ist kein Tumormarker.

Produziert wird das Eiweiß nämlich auch von gesunden Prostatazellen. Da Krebs­zellen in der Regel aber mehr PSA bilden, kann ein Tumor den Wert erhöhen. Allerdings gibt es noch viele andere Ursachen für einen solchen Anstieg, zum Beispiel eine vergrößerte Prostata. "Der Wert muss daher immer zusammen mit dem Prostata-Volumen interpretiert werden", betont Urologe Stief. Auch Harn­wegsinfekte, eine Entzündung der Prostata und andere Reizungen wie Geschlechtsverkehr können den Wert beeinflussen.

Prostatakrebs: Oft harmlos, selten tödlich

Der Hauptpunkt, warum Kritiker vom PSA-Test abraten, ist aber weniger seine Unzuverlässigkeit. Das weitaus größere Problem ist der Krebs selbst. Tumore der Prostata sind überaus häufig und können lebens­bedrohlich sein. "In Deutschland sterben derzeit jährlich etwa 13 000 Pa­tienten an Prostatakrebs", berichtet Wülfing. Oft sind Tumore aber eher harmlos. Weitaus mehr Männer sterben mit dem Krebs im Körper – und nicht an ihm.

Manchen Patienten rettet ein frühes Eingreifen also das Leben. Gehört man zu den anderen, bedeutet die Diagnose nur unnötige, teils belastende Therapien – oder zumindest Angst und Verunsicherung. Häufige Folgen einer Behandlung sind Inkontinenz und Impotenz.

PSA-Test gezielter einsetzen

Die Urologen versuchen dieses Problem der Übertherapie auf verschiedene Weise in den Griff zu bekommen. Vor allem älteren Männern mit einem wenig aggressiven Tumor raten Experten heute zur sogenannten aktiven Überwachung. Dabei erfolgt zunächst keine Therapie. "Aber nur wenige schaffen es, mit einer Krebsdiagnose ohne weitere Aktionen zu leben", sagt Weg-Remers. Viele lassen sich irgendwann doch behandeln.

Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte ein gezielterer Einsatz des PSA-Tests sein. Zum Beispiel, indem man ihn nur Männern regelmäßig anbietet, die ein erhöhtes Risiko für aggressiven Krebs haben. Um dieses abzuschätzen, sollte der PSA-Wert möglichst früh, also im Alter zwischen 45 und 50, erstmals gemessen werden (Basis-PSA-Wert), bei familiärer Belastung bereits ab 40. "Liegt der Wert unter 1 ng/ml, ist erst nach etwa vier Jahren ein neuer Test nötig", sagt Stief. Die Wahrscheinlichkeit, an aggressivem Prostata­krebs zu erkranken, ist dann extrem ­gering. Bei höheren Werten sollten die ­­Intervalle kürzer sein.

Kernspintomografie liefert weitere Informationen

Ein verdächtig hoher Wert von 4 ng/ml und mehr sollte bereits nach einigen Wochen überprüft werden. Sinkt er nicht, empfehlen Experten oft eine MRT-Aufnahme, auf der sich Krebsherde gut erkennen lassen. Zudem kann man auf diese Weise Gewebeproben gezielter entnehmen.

Eine weitere strittige Frage: Bis zu welchem Alter sollte der PSA-Wert gemessen werden? Früher galt die Empfehlung: bis 70. "Doch auch ein fitter 75-Jähriger hat heute eine Lebenserwartung von 15 Jahren", sagt Stief. Selbst er profitiert daher oft noch von einer Behandlung.

Auf den Wunsch des Patienten eingehen

Das Wichtigste aber ist der persönliche Wunsch des Mannes. Denn die Entscheidung für oder wider den Test hängt vor allem davon ab, mit welchem Risiko er eher bereit ist zu leben – Übertherapie oder verspätete Diagnose.



Bildnachweis: Fotolia/jarun011, W&B/Michael Hudler

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